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Dürers Sternkarten: Die erste gedruckte Himmelskarte

1515 schuf Albrecht Dürer gemeinsam mit Johannes Stabius und Conrad Heinfogel die ersten gedruckten Sternkarten Europas: zwei Holzschnittkarten des nördlichen und südlichen Himmels, die das Aussehen der Sternbilder für Jahrhunderte festlegten.

·15. Juni 2026·6 Min. Lesezeit

Kurze Antwort: 1515 schuf der Künstler Albrecht Dürer gemeinsam mit dem Astronomen und Kartografen Johannes Stabius und dem Astronomen Conrad Heinfogel die ersten gedruckten Sternkarten Europas. Es sind zwei Holzschnitt-Himmelskarten, eine des nördlichen und eine des südlichen Himmels, die die klassischen Sternbilder als mythologische Figuren über den Sternpositionen zeigen. Bekannt unter ihren lateinischen Titeln, den Imagines coeli, legten sie das visuelle Aussehen der Sternbilder für Jahrhunderte fest.

Albrecht Dürers Holzschnittkarte des nördlichen Himmels von 1515, die Sternbilder als mythologische Figuren über den Sternen dargestellt.
Die nördliche Himmelshalbkugel von Albrecht Dürer mit Johannes Stabius und Conrad Heinfogel, 1515, die erste gedruckte Sternkarte Europas. Die vier Ecken ehren die Astronomen Aratos, Ptolemäus, Manilius und al-Sufi.

Vor diesen Drucken war eine Himmelskarte meist ein Einzelstück, von Hand von Astronom zu Astronom abgeschrieben. 1515 änderte sich das. Zum ersten Mal in Europa konnte der Himmel auf Papier gepresst und exakt reproduziert werden, und der Mann, der ihn zeichnete, war einer der größten Künstler seiner Zeit.

Eine Zusammenarbeit von Künstler und Astronomen

Die Sternkarten von 1515 waren nicht das Werk einer einzigen Person. Sie führten drei Männer zusammen: Albrecht Dürer, der Nürnberger Maler und Druckgrafiker, lieferte die Figuren; Johannes Stabius, Astronom und Kartograf, legte die Projektion und den wissenschaftlichen Plan fest; und Conrad Heinfogel, ein Astronom, bestimmte die Positionen der Sterne.

Die Karten selbst halten diese Arbeitsteilung fest. Eine kleine Kartusche würdigt jeden Mann mit Namen und Aufgabe: Stabius leitete das Werk, Heinfogel setzte die Sterne, und Dürer zeichnete die Bilder. Die Genauigkeit kam von den Astronomen, die jeden Stern dort platzierten, wohin er auf dem Gitternetz des Himmels gehörte. Die Schönheit und der bleibende Einfluss kamen von Dürer, der jene Lichtpunkte in eine Galerie mythologischer Figuren verwandelte.

Zwei Holzschnittkarten des Himmels

Die Karten sind ein zusammengehöriges Holzschnittpaar. Ein Blatt zeigt die nördliche Himmelshalbkugel und das andere die südliche, zusammen decken sie die der klassischen Welt bekannten Sternbilder ab. Sie sind unter ihren lateinischen Titeln bekannt, den Imagines coeli, den "Bildern des Himmels": die nördliche Tafel die Imagines coeli Septentrionales, die südliche die Imagines coeli Meridionales.

Ein Holzschnitt konnte immer wieder gedruckt werden, und genau deshalb waren diese Karten so bedeutend. Eine handgezeichnete Manuskriptkarte existierte in einem einzigen Exemplar; eine gedruckte konnte in identischer Form durch ganz Europa reisen. Es waren die ersten gedruckten Sternkarten, die der Kontinent gesehen hatte.

Es lohnt sich, bei dieser Aussage genau zu sein. Es sind die ersten gedruckten Sternkarten in Europa. Handgezeichnete Manuskriptkarten gab es lange vor ihnen, darunter ein 1503 in Nürnberg entstandenes Paar, auf das sich Dürer und seine Mitarbeiter stützten, und gedruckte chinesische Sternkarten gehen ihnen um Jahrhunderte voraus. Neu war 1515 die Presse, nicht die Idee, den Himmel zu kartieren.

Die Sternbilder als mythologische Figuren

Auf Dürers Blättern sind die Sternbilder keine bloßen Punktmuster. Jedes ist als die Figur gezeichnet, die es seit der Antike trägt: der Jäger Orion, die Bären, das geflügelte Pferd, der Schlangenträger, die Helden und Bestien der alten Himmelsgeschichten. Die Sterne sitzen auf diesen Figuren wie Nieten auf einem Kostüm, sodass man den Mythos und die Karte zugleich liest.

Mit voller Renaissance-Kunstfertigkeit gezeichnet, wurden Dürers Sternbildfiguren zu einer Vorlage, der spätere Kartenmacher folgten. Über Jahrhunderte hinweg ging das visuelle Aussehen, zu dem ein Atlasmacher griff, wenn er ein Sternbild darstellte, oft auf diese Holzschnitte von 1515 zurück. Dürer half, die Ikonografie des Himmels festzulegen.

Die vier Astronomen in den Ecken

Die nördliche Karte trägt eine stille Würdigung. In ihren vier Ecken sitzen vier große Astronomen-Astrologen der Vergangenheit, jeder in seiner eigenen Tracht, geehrt als die Autoritäten, auf deren Werk das Himmelswissen ruht:

  • Aratos, der griechische Dichter, dessen Verse die Sternbilder beschrieben
  • Ptolemäus, dessen Sternkatalog und astronomische Schriften das Fach über tausend Jahre lang prägten
  • Manilius, der römische Verfasser eines frühen Gedichts über die Sterne
  • al-Sufi, der persische Astronom, der den Sternkatalog aufzeichnete und korrigierte

Diese vier gehören zu einer einzigen Überlieferungskette, in der griechische, römische und persische Gelehrte das Wissen über den Himmel von einem Jahrhundert zum nächsten weitergaben. Ptolemäus, Manilius und al-Sufi stehen genau in derselben Tradition, von der die Astrologie und AstroAk abstammen.

Warum es mit der Astrologie verbunden ist

Die Verbindung ist der Himmel selbst. Die Sternbilder, die Dürer zeichnete, und das Band des Tierkreises, das sich zwischen ihnen hindurchzieht, sind die himmlische Kulisse, die die Astrologie liest. Die Tierkreiszeichen werden an demselben Ring von Figuren gemessen, und die Planeten werden verfolgt, während sie sich über ihn bewegen.

So blicken ein Kunstdruck von 1515 und eine moderne Deutung eines Horoskops auf denselben Himmel. Die in den Ecken geehrten Figuren, Ptolemäus und Manilius und al-Sufi, sind genau jene Autoren, deren Rahmenwerk eine traditionelle Deutung noch immer ordnet. Wenn du ein kostenloses Geburtshoroskop erstellst, stellst du die Planeten vor dieselbe Sternenbühne, die Dürer und seine Mitarbeiter zu Papier brachten, und ein Geburtshoroskop ist einfach die Position dieser Himmelskörper auf jener Bühne im Augenblick deiner Geburt.

Häufig gestellte Fragen

Wer schuf die ersten gedruckten Sternkarten in Europa?

Der Künstler Albrecht Dürer schuf sie 1515, gemeinsam mit dem Astronomen und Kartografen Johannes Stabius und dem Astronomen Conrad Heinfogel. Die beiden Holzschnittkarten sind unter ihren lateinischen Titeln bekannt, den Imagines coeli.

Was zeigen Dürers Sternkarten?

Es sind zwei Holzschnitte, einer des nördlichen und einer des südlichen Himmels, die die klassischen Sternbilder als mythologische Figuren über den Positionen der Sterne zeigen. Zusammen kartieren sie die der klassischen Welt bekannten Sternbilder.

Wer sind die Figuren in den Ecken der nördlichen Karte?

Die vier Ecken ehren vier große Astronomen-Astrologen der Vergangenheit: Aratos, Ptolemäus, Manilius und den persischen Astronomen al-Sufi. Sie stehen für die Kette von Gelehrten, die das Wissen über den Himmel weitergaben.

Raşit Akgül

Über den Autor

Raşit Akgül

Raşit Akgül ist Astrologe und Softwareentwickler sowie der Gründer von AstroAk. Er baut die Plattform auf der klassischen und hellenistischen Tradition auf und prüft jeden Artikel selbst.

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