Kurze Antwort: Algol ist der Fixstern, der das abgeschlagene Haupt der Medusa im Sternbild Perseus markiert und nach tropischer Länge nahe 26 Grad Stier steht. Sein Name stammt aus dem Arabischen für das Haupt des Dämons, und Vivian Robson nannte ihn den bösartigsten Stern des Himmels. Moderne Astrologen lesen ihn als rohe, verwandelnde Intensität statt als reines Verhängnis.
Kein Stern der westlichen Tradition trägt einen schwereren Ruf als Algol. Über Jahrhunderte war er der eine Name, den Astrologen nur mit gesenkter Stimme aussprachen, der Stern, der mit Gewalt, Enthauptung und Unheil verbunden wurde. Hinter dem Schauder steht ein wahrhaft seltsames Objekt: ein Stern, der uns sichtbar alle paar Tage zublinzelt und das abgetrennte Haupt eines Ungeheuers am Himmel markiert. Algol zu verstehen heißt, drei Dinge zugleich im Blick zu behalten, den Mythos, die Astronomie und die Astrologie, und zu erkennen, wie die Furcht aus allen dreien erwuchs.
Das abgeschlagene Haupt im Perseus
Algol gehört zum Sternbild Perseus, dem Helden, der die Gorgo Medusa enthauptete, deren Blick Menschen zu Stein erstarren ließ. In der Sternbildfigur schreitet Perseus über den Himmel und hält das abgeschlagene Haupt empor, und Algol markiert eben dieses Haupt. Sein alter lateinischer Name ist Caput Medusae, das Haupt der Medusa, manchmal auch Caput Larvae, das Haupt des Gespenstes. Dies gilt es zuerst festzuhalten: Algol ist das Haupt des Ungeheuers, nicht der Held selbst. Perseus und die Gorgo sind verschiedene Gestalten, die sich denselben Himmelsausschnitt teilen, und der Stern sitzt genau auf der Trophäe, die er trägt.
Schon dieses Bild erklärt vieles an der Überlieferung. Ein Stern, festgemacht auf einem abgeschlagenen Haupt, eingefroren im Augenblick einer Enthauptung, konnte niemals einen sanften Charakter annehmen. Die Mythologie nährte die Astrologie und die Astrologie nährte die Mythologie, bis Algol zum Kürzel für die buchstäblichste Art von Verlust wurde: den Verlust des Kopfes, sei es durch Zorn, Panik, Besessenheit oder, in den finstersten Deutungen, durch die Klinge selbst.
Wo Algol im Tierkreis steht
Nach tropischer ekliptikaler Länge projiziert sich Algol auf etwa 26 Grad Stier. Der übliche Wert ist 26 Stier 10' für das Jahr 2000, und je nach Quelle und Datum wirst du leicht abweichende Minutenangaben zitiert finden. Gib ihn großzügig als rund 26 Stier an, statt einer falschen Genauigkeit nachzujagen, da siderische und vedische Systeme ihn ganz woanders verorten.
Hier muss eine verbreitete Verwechslung ausgeräumt werden. Algol ist ein Stern im Sternbild Perseus, fällt aber in das Tierkreiszeichen Stier. Sternbild und Zeichen sind nicht dasselbe. Das Zeichen Stier ist ein dreißig Grad breiter Abschnitt des tropischen Tierkreises, an die Jahreszeiten gebunden; das Sternbild Perseus ist ein tatsächliches Sternmuster, das sich zufällig auf diesen Abschnitt projiziert. Ein Planet auf 26 Stier in deinem Horoskop steht in Konjunktion zu Algol, obwohl der Stern selbst im Perseus wohnt und nicht im Sternbild des Stiers.
Die Position wandert zudem. Wie bei jedem Fixstern kriecht Algols tropische Länge mit dem Tempo der Präzession vorwärts, etwa ein Grad alle zweiundsiebzig Jahre oder grob fünfzig Bogensekunden im Jahr. Sie rückt von etwa 26 Stier 10' im Jahr 2000 bis auf rund 26 Stier 52' im Jahr 2050 vor. Diese Bewegung ist die Präzession der Tagundnachtgleichen, eine langsame Verschiebung des tropischen Bezugsrahmens selbst, nicht der Stern, der durch den Raum reist. Algols echte Eigenbewegung ist dagegen vernachlässigbar. Die Zahl ändert sich nur, weil unser Tierkreis gleitet, und genau deshalb trägt jede ernsthafte Fixsternliste ein Datum.
Ein Stern, der blinzelt
Die Astronomie ist ebenso unheimlich wie der Mythos. Algol, förmlich Beta Persei, ist der Prototyp einer ganzen Klasse veränderlicher Sterne, der bedeckungsveränderlichen Doppelsterne, die man Algol-Sterne nennt. Gewöhnlich leuchtet er nahe der Größenklasse 2,1, ein ganz normaler heller Stern. Dann, alle 2,867 Tage, verdunkelt er sich für mehrere Stunden auf etwa Größenklasse 3,4, ehe er wieder aufhellt. Dem bloßen Auge erscheint der Stern, über einige Nächte beobachtet, als blinzle er.
Lange Zeit sah dies wie ein Fehlverhalten des Himmels aus, und man kann sich gut vorstellen, wie verstörend ein blinzelnder Stern auf dem Haupt eines Ungeheuers gewirkt haben muss. Die Erklärung ist jedoch rein geometrisch. Algol ist kein einzelner Stern, der in seiner Helligkeit pulsiert. Es ist mindestens ein Dreifachsystem, und die sichtbare Verdunkelung entsteht, wenn ein kühlerer, lichtschwächerer Begleiter vom Spektraltyp K, ein Unterriese, vor dem helleren Hauptreihenstern vom Typ B8 vorüberzieht und einen Teil seines Lichts aus unserer Sichtlinie verdeckt. Der italienische Astronom Geminiano Montanari bemerkte die Veränderlichkeit im Jahr 1667, und der junge englische Astronom John Goodricke ermittelte die Periode und schlug 1782 und 1783 die Erklärung durch einen bedeckenden Begleiter vor. Das Auge des Dämons flammt also nicht von innen auf; es ist ein Stern, der sich nach einem Uhrwerk vor einen anderen schiebt.
Die Namen und die Überlieferung
Schon der Name selbst hält den Schauder fest. Algol stammt vom arabischen Ra's al-Ghul, dem Haupt des Dämons oder dem Haupt des Ghuls. Das arabische al-ghul ist die Wurzel des deutschen Wortes Ghul und bezeichnet einen gestaltwandelnden Wüstengeist der arabischen Volksüberlieferung, nicht den christlichen Teufel. Die geläufige Wendung Dämonenstern ist eine freie Übersetzung jener älteren Bezeichnung. Der arabische Name selbst greift Ptolemäus' griechische Beschreibung des Sterns als den hellen im Haupt der Gorgo auf, sodass das bedrohliche Bild weitgehend unverändert durch die Sprachen wanderte.
Andere Kulturen hinterließen ähnlich düstere Namen, vor allem gesammelt von Richard Hinckley Allen in seinem Werk Star Names von 1889. Die hebräische Tradition soll ihn Rosch ha-Satan, das Haupt Satans, genannt und mit Lilith verbunden haben, während ein chinesischer Name, Tseih Sche, sich als die aufgehäuften Leichen übersetzen lässt. Diese Parallelen sind auffällig, doch erreichen sie uns meist über spätere antiquarische und astrologische Quellen statt über fest bezeugten antiken Gebrauch, weshalb man sie am besten als überlieferte Sage behandelt. Die Lilith dieser Namenslegende, das sei hinzugefügt, ist etwas anderes als der astrologische Punkt Schwarzer Mond Lilith und sollte nicht mit ihm verwechselt werden.
Wie die Astrologie Algol liest
Klassisch wurde Algol eine planetare Natur zugeschrieben. In der ptolemäischen Tradition sind die Sterne des Perseus, Algol eingeschlossen, von der Natur Saturns und Jupiters, eine Paarung, die spätere Autoren wie Agrippa und Robson weiterführten. Mitunter begegnet dir die moderne Etikette Jupiter-Mars, aus der spektralen Beschaffenheit des Sterns abgeleitet, doch das ist eine beschreibende Notiz des zwanzigsten Jahrhunderts, nicht Ptolemäus und nicht Robson, und sollte daher nicht mit der klassischen Zuordnung verwechselt werden.
Den Höhepunkt erreichte der Ruf bei Vivian Robson, dessen Buch The Fixed Stars and Constellations in Astrology von 1923 Algol den bösartigsten Stern des Himmels nannte. Er verband ihn mit Unglück, Gewalt, Enthauptung, Erhängen, Stromschlag sowie Pöbel- oder kollektiver Gewalt. Dieses Urteil verdient ernst genommen zu werden als die Sicht eines einflussreichen Autors des zwanzigsten Jahrhunderts, doch es ist kein allgemeingültiges klassisches Verdikt. Es ist eine zugeschriebene Meinung, und eine dramatische dazu.
Viele heutige Astrologen lesen Algol ganz anders. Dasselbe abgeschlagene Haupt lässt sich als Bild der Befreiung sehen, als das Abschneiden dessen, was versteinert und lähmt. Im Horoskop markiert ein Planet innerhalb etwa eines Grades von 26 Stier einen Punkt geballter, fast überwältigender Intensität. Mit Bewusstheit gehandhabt, treibt diese Spannung einen Menschen an, der sich schlicht nicht aufhalten lässt; ungezügelt zeigt sie sich als Verlust der Fassung im denkbar schlechtesten Augenblick. Um zu sehen, wo Algol und die anderen hellen Sterne tatsächlich an deinem Himmel stehen, erstelle dein kostenloses Geburtshoroskop und lies den Fixsterne-Leitfaden daneben. Algol ist kein Urteil. Er ist eine Hochspannungsleitung, und die Arbeit besteht darin, zu lernen, sie zu halten, ohne sich zu verbrennen.
Häufig gestellte Fragen
Ist Algol wirklich ein böser Stern?
Diese Rahmung stammt vor allem aus Vivian Robsons Buch von 1923, das Algol den bösartigsten Stern des Himmels nannte. Sie spiegelt die Sicht eines einflussreichen Autors in einer langen Tradition des Schauders wider, keine allgemeingültige klassische Tatsache. Viele moderne Astrologen deuten Algol neu als rohe, verwandelnde Intensität, als Kraft, das abzuschneiden, was dich zurückhält, statt als schlichtes Verhängnis.
Warum scheint Algol am Himmel zu blinzeln?
Algol ist ein bedeckungsveränderlicher Doppelstern, der Prototyp der Klasse der Algol-Sterne. Alle 2,867 Tage zieht ein lichtschwächerer Begleitstern vor dem helleren Stern vorüber und dämpft das System für einige Stunden von etwa Größenklasse 2,1 auf 3,4. Das Blinzeln ist rein geometrisch, ein Stern bedeckt einen anderen, nicht der Stern, der von innen pulsiert.
In welchem Zeichen steht Algol?
Nach tropischer ekliptikaler Länge steht Algol bei rund 26 Grad Stier, nahe 26 Stier 10' für das Jahr 2000 und mit der Präzession vorwärts wandernd. Der Stern selbst liegt im Sternbild Perseus und markiert das Haupt der Medusa, doch er projiziert sich auf das Tierkreiszeichen Stier, weshalb ein Planet nahe 26 Stier als in Konjunktion zu ihm gilt.